• HWeber

Selfpublishing - was macht man da alles selbst?

Aktualisiert: Mai 9

Wenn man den letzten Satz geschrieben hat, ist man noch lange nicht fertig. Das Buch an sich zu schreiben, ist noch der entspanntere Teil. Die Palette an Aufgaben, die darauffolgt, ist es eher nicht.


Die erste Entscheidung befasste sich schon mal damit, ob ich mein Buch an klassische Verlage schicken sollte oder einfach als Selfpublisher mein Glück versuche. Ich entschied mich für Zweiteres, denn es kann Wochen dauern, bis sich ein Verlag zurückmeldet. Viele nehmen Manuskripte gar nicht mehr an, weil sie einfach mehrere hundert am Tag zugeschickt bekommen.

Also Selfpublishing. Hierbei gibt es die Möglichkeit, das Buch direkt beim Anbieter (z.B. Amazon oder Tolino) oder über einen Distributor (z.B. Books on Demand, Tredition oder Epubli) zu veröffentlichen. Auf deren Seiten wird das Buch direkt hochgeladen und anschließend in den Vertrieb gebracht. Dabei kann man meist die gängigen Formate für die Buchveröffentlichung wählen: Hardcover, Softcover, E-Book. Dieser Service kostet meist gar nicht viel, auf BoD z.B. (Stand heute) 19 Euro im Classic-Package.


Und das war`s dann auch. Hier beginnt das Selfpublishing, denn lediglich ein Buch schreiben und veröffentlichen - damit ist es nicht getan.


Ein Verlag kümmert sich nämlich insbesondere um folgende Dinge, die man nun selbst in die Hand nehmen muss:


  • Buchcover

  • Klappentext

  • Lektorat/Korrektorat

  • Werbematerialien (z.B. Lesezeichen, Visitenkarten)

  • Pressemitteilung

  • Webseite

  • Social Media Kanäle


Was praktisch ist: Bei einem Distributor werden diese Leistungen häufig aus einer Hand optional zubuchbar mitangeboten. Das kann allerdings ganz schön ins Geld gehen (wir sprechen hier von mehreren Tausend Euro).


Daher habe ich für mich selbst (und meinen Geldbeutel) überlegt:

Was kann ich selbst machen und wobei brauche ich auf jeden Fall professionelle Hilfe?


Buchcover (Eigenregie)

Da ich beruflich im Marketing- und Kommunikationsbereich arbeite, konnte ich beim Buchcover bereits einen Haken setzen, da ich regelmäßig mit Layoutprogrammen wie InDesign, Photoshop oder Illustrator arbeite. Mit derartigen Programmen können die vorgegebenen Covermaße des Distributors genau eingestellt werden und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Allerdings bieten die Distributoren mittlerweile auch eigene Cover-Creator mit vielen Vorlagen an, die man während des Veröffentlichungsprozesses kostenlos nutzen kann, um das Cover zu erstellen. Das spart Geld, Zeit und man sichert sich dahingehend ab, dass die Maße auf jeden Fall stimmen, wenn sie vom Distributor selbst voreingestellt sind.


Wenn man sein Cover in Auftrag gibt, sollte man ca. 250 - 500 Euro einplanen. Ich rate hier auf jeden Fall dazu, sich an einen Designer zu wenden, mit dem man seine Wünsche und Vorstellungen absprechen kann. Wovon ich eher abrate (da ich es selbst ausprobiert habe) sind Designwettbewerbe, bei denen man von mehreren Designern Layoutvorschläge erhält (z.B. 99designs). So ein Dienst kostet vergleichsweise genauso viel, wie wenn man es bei einem einzelnen Designer in Auftrag gibt. Der Unterschied ist, dass man bei einem Designwettbewerb zwar mehrere, verschiedene Layouts vorgeschlagen bekommt, diese jedoch nur sehr einfache Designs zeigen, die der jeweilige Designer vermutlich in 5 Minuten schnell erstellt hat, um am Wettbewerb teilzunehmen. Das Geld muss nämlich erst bezahlt werden, wenn man einen Designer ausgewählt hat und wer arbeitet schon gerne für lau? So ein Wettbewerb kann jedoch auch erfolgreich sein, wenn man das Preisgeld garantiert (dann geben sich die Designer mehr Mühe, wenn sie auch Aussicht auf Erfolg haben).


Klappentext (Auftrag)

Meinen Klappentext habe ich selbst erstellt. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich mich das nicht getraut hätte ohne meinen Lektor und das Feedback aus dem Freundes- und Familienkreis. Irgendwann wird man für seine eigene Geschichte blind und spoilert aus Versehen im Klappentext, ohne, dass es einem bewusst ist. Der Klappentext muss außerdem zur Zielgruppe passen und packend geschrieben sein. Es ist wie beim Bewerbungsschreiben: Der erste Eindruck zählt und man hat nur wenige Sekunden Zeit, zu überzeugen.


Lektorat/Korrektorat (Auftrag)

Das ist eine Investition, die ich von Anfang an fest eingeplant habe! Ja, es kostet ordentlich Geld und man muss mit ca. 1.800 - 2.500 Euro rechnen (bei einem Buch mit ca. 300 Seiten; 12x19 Format). Doch wenn ich mir selbst ein Buch kaufe, kriege ich doch auch die Krise, wenn darin ständig Fehler vorkommen oder der Schreibstil hölzern klingt, oder? Möchte ich selbst nur qualitativ hochwertige Bücher kaufen, so sollte ich diesen Anspruch auch beim Schreiben haben. Das Lektorat gehört damit zu den Serviceleistungen, die ich auf jeden Fall in Auftrag gebe. Beim Verband der freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) findet man schnell jemanden für das eigene Buch. Ein Lektor / eine Lektorin kann einen auch prima zum Klappentext beraten, da sich derjenige lange mit der Geschichte beschäftigt hat.


Werbematerialien (Eigenregie)

Bei Werbemitteln muss man für sich selbst überlegen, ob man diese braucht. Lesezeichen, Flyer, Visitenkarten - solche Dinge sind eigentlich nur relevant, wenn man aktiv Lesungen gibt, auf Messen geht oder Gewinnspiele für seine Zielgruppe veranstaltet. Ansonsten nimmt es einem die Umwelt sicher nicht übel, wenn man darauf verzichtet ;-)


Pressemitteilung (Auftrag)

Eine Pressemitteilung habe ich selbst noch nicht in Auftrag gegeben, da ich zunächst meine Trilogie fertigschreiben möchte, um sie dann "im Paket" zu bewerben. Dies wäre allerdings ein Service, den ich über meinen Distributor buchen würde, da ich mich nicht damit auskenne, Journalistenkonform zu texten.


Webseite (Eigenregie)

Meine Webseite habe ich in Eigenregie erstellt mit Wix, inkl. einem eigenen E-mail-Postfach und eigener Domain von GoDaddy. Hier ist allerdings Vorsicht geboten, denn die laufenden Kosten für eine Webseite sind nicht zu unterschätzen.


  • Domainhosting: ca. 40 Euro / Jahr (z.B. www.vorname-nachname.de / meine Domain stammt von GoDaddy)

  • Websitehosting: ca. 100 - 120 Euro / Jahr (d.h. man bezahlt dafür, dass Wix die Webseite hostet)

  • E-mail-Postfach: ca. 70 - 90 Euro / Jahr (z.B. info@vorname-nachname.de / ich habe das Postfach von Wix gleich mitgebucht)

  • Impressumservice: ca. 20 - 40 Euro / Jahr (z.B. mit AutorenServices, da auf jeder Webseite ein Impressum inkl. Adresse stehen muss und man ungern die private Adresse angibt)

  • Datenschutzservice: ca. 150 - 180 Euro / Jahr (z.B. eRecht24)


Die Anbieter locken häufig mit sehr günstigen Preisen für das erste Jahr, wodurch man den Eindruck erhält, es wäre wahnsinnig preiswert, eine Webseite zu unterhalten. Ab dem zweiten Jahr sieht es dann schon anders aus (siehe Preise oben).


Meine Empfehlung für Sparfüchse: Erstellt ruhig eine Webseite mit Baukastenprogrammen (z.B. Word Press, Jimdo oder Wix), aber bleibt bei der kostenlosen Variante. Eure Domain sieht dann vielleicht nicht superschön aus, doch für den Anfang reicht das doch eigentlich aus:

benutzername.wixsite.com/webadresse


Auch das E-mail-Postfach kann zunächst ein "Normales" sein, das noch nichts kostet:

info.vorname-nachname@outlook.de


Den Impressumservice kann ich allerdings nur empfehlen, denn das Impressum mit einer ladungsfähigen Adresse (nein, ein Postfach reicht nicht!) ist gesetzlich vorgeschrieben und keiner gibt gerne seine private Adresse auf der Webseite an. Auch für den Buchdruck ist so ein Impressumservice prima geeignet. Ich persönlich arbeite hier mit AutorenServices.


Was auch sehr wichtig ist, ist der Datenschutz auf der eigenen Webseite. Gerade mit Cookies, Goolge opt-outs uvm. muss einiges beachtet werden, sonst drohen hohe Bußgelder. eRecht24 bietet auch eine Monatslizenz für 30 Euro an. In diesem Monat kann man sich dann alle nötigen Vorlagen für Datenschutztexte herunterladen und auf der eigenen Webseite integrieren.



Social-Media-Kanäle

Ich kann nur jedem empfehlen, zumindest einen Social-Media-Kanal zu pflegen, um das eigene Buch zu bewerben. Beiträge zu posten kostet nichts und man darf nicht vergessen, dass sich hier auch die Zielgruppe aufhält!


Ihr wisst nicht, wie ihr eure Beiträge vorbereiten und layouten sollt? Probiert doch mal das kostenlose Tool Canva aus. Das Tool bietet unzählige Vorlagen, die man verwenden und nach eigenen Wünschen abändern kann. Besonders toll ist, dass diese Beiträge nach Social-Media-Kanal (Facebook, Instagram, Pinterest etc.) ausgewählt werden können, sodass die Maße von vornherein perfekt stimmen.


Seid ihr bereits auf mehreren Kanälen zugegen und verliert ihr langsam den Überblick über eure Beiträge? Dann empfehle ich euch, ein Tool zu verwenden, um eure Beiträge für alle Social-Media-Kanäle auf einer Plattform zu managen, zu planen und vorzubereiten. Ich verwende dafür Hootsuite in der kostenlosen Version (maximal 30 Beiträge zeitgleich planbar & maximal drei Social-Media-Kanäle) und bin sehr zufrieden damit. Ich bereite nur einmal die Woche meine Beiträge mit Hootsuite vor (und ich poste 6x pro Woche) und behalte mit der praktischen Kalenderübersicht stets alles im Blick.

So, ich hoffe, ich konnte ein paar Einblicke in das Selfpublishing geben :)


Ich weiß, man muss wirklich wahnsinnig viel lernen, recherchieren und sich selbst aneignen. Doch sobald das erste Buch einmal draußen ist und man alle Prozesse einmal durchlaufen hat, wird es zur Routine und alles geht schneller von der Hand.


Dran bleiben und nicht den Mut verlieren!

31 Ansichten
  • Facebook
  • Instagram