• HWeber

Einfach drauflosschreiben oder mit Struktur?

Aktualisiert: Mai 9

Es ist soweit. Man hat sich eine Idee für ein Buch überlegt und ist davon überzeugt, dass sie grandios ist ;-)


Und nun?


Am besten hinsetzen und gleich mal drauflosschreiben. Nach den ersten dreißig Seiten dann die erste Blockade. Mist. Irgendwie ist man in den ersten unlogischen Erzählstrang hineingerutscht und muss Passagen auf vorangegangenen Seiten anpassen und nochmal umschreiben. Die Grammatik ist zum Davonlaufen. Der Hauptprotagonist kommt dämlich rüber. Die Sätze klingen hölzern und abgehackt. Oder sind teilweise so lang, dass eine halbe Seite damit ausgefüllt ist. Der kleine Teufel auf der Schulter flüstert einem auch noch ein, dass niemand diesen Rotz lesen wird. So klappt das einfach nicht. Also nochmal zwei Schritte zurückgehen. Vielleicht braucht es ja doch mehr Struktur und ein konkretes Konzept für das Buch?


Meine Erfahrung, die ich mit euch teilen kann ist: Die Mischung macht`s. Struktur und Kreativität sind beide wichtig, um bis zum letzten Satzzeichen durchzuhalten und an seine Geschichte zu glauben. Die Struktur gibt uns das Sicherheitsgefühl, alles im Griff zu haben und sorgt für die nötige Motivation. Mit der Kreativität hauchen wir unserer Geschichte Leben, Emotionalität und Authentizität ein.


Struktur und Kreativität. Aha. Und was heißt das jetzt konkret?


Zunächst habe ich mich dem "Gerüst" meines Buchprojekts gewidmet. Laptop zu und Notizbuch auf. Bleistift in die Hand und skizzieren:


1.) Stell dir vor, du erzählst jemandem von deiner Buchidee. Welche Frage wird derjenige wohl stellen? Genau: Um was geht es da? Und diese Frage muss man erstmal beantworten können. Also, erstmal grob aufschreiben, um was es in der Geschichte gehen soll. Das ist ein wichtiger Baustein für den späteren Klappentext.


2.) Wer sind die Hauptprotagonisten im Buch? Wie werden sie den Leser durch die Geschichte leiten? Ich habe mir hierfür sogenannte "Setcards" für jeden Protagonisten geschrieben: Wie sieht derjenige aus, welchen Hintergrund hat er/sie, welche Charaktereigenschaften usw.


3.) Wie soll die Geschichte beginnen und enden? Ich habe hierfür die ersten fünf Seiten und die letzten fünf Seiten geschrieben. So habe ich beim Schreiben immer vor Augen gehabt, wo ich mal hinmöchte.


4.) Stützpfeiler zwischen Beginn und Ende setzen. Was sind große Ereignisse, die während der Geschichte passieren und den jeweiligen Erzählstrang damit vorantreiben? Aufschreiben und skizzieren. Diese Pfeiler werden später zu den Kapiteln, die das Buch unterteilen.


5.) Logik-Reminder setzen. Hierfür habe ich mich mit Freunden zusammengesetzt, ihnen meine Idee erzählt und sie darum gebeten, Fragen zu stellen, die ihnen spontan einfielen. So ein Brainstorming ist Gold wert! Vieles, was man selbst als vollkommen logisch erachtet, erschließt sich anderen überhaupt nicht. Sie stecken ja auch nicht in meinem Kopf drin. All ihre Fragen habe ich notiert, damit ich sie in der Geschichte erkläre bzw. nicht vergesse.


Das Gerüst steht nun also. Ich kann meine Geschichte in kurzen Sätzen umreißen, habe mir starke Charaktere überlegt, weiß, wie ich starten und enden möchte, kann die wichtigsten Ereignisse während der Geschichte benennen und bin mir der möglichen Logik-Fettnäpfchen bewusst.

Damit der "Kreativo" nun endlich loslegen kann, nehme ich mir noch Schreibziele vor.

2000 Wörter am Tag so wie Stephen King? Ruhig, Brauner. Realistische Ziele setzen, die ich erreichen kann, ob ich gute Laune, schlechte Laune, einen effektiven oder einen faulen Tag habe. Ich nehme mir also vor, jeden Tag 20-30 Minuten zu schreiben (ca. 500 Wörter).

Weniger: Ist nicht drin.

Mehr: Umso besser!


Wichtig beim kreativen Schreiben ist, dass man einfach schreibt, schreibt, schreibt. Keine Sorge, das Gerüst, das man sich bereits erarbeitet hat, sorgt dafür, dass man sich nicht mehr verliert oder vom Weg der Geschichte abkommt. Das Gerüst sorgt für die Orientierung. Wie beim Wandern, wenn man immer wieder stehen bleibt, um auf die Karte zu sehen. Umso wichtiger ist es dann, sich fallen zu lassen und einfach dem Schreiben hinzugeben. Das heißt, dass man den kleinen Perfektionisten in sich ausschalten muss.


Konkret bedeutet das:


1.) Schreibe und lass den "Produktiven" in dir raus. Es geht um Wörter, Sätze, Seiten. Perfekte Grammatik? Jetzt nicht primär wichtig!


2). Erst, wenn du ALLES geschrieben hast und das Buch in seiner Rohfassung steht, lässt du den "Besserwisser" ans Werk. Der liest das Buch nochmal durch und verbessert was das Zeug hält. Grammatik, Satzbau, bessere Ausdrücke usw. - das ist das Metier des Klugscheißers! In der produktiven und kreativen Phase hat er aber nichts verloren, denn er redet einem sonst ständig rein, lässt einen Sätze löschen und wieder umschreiben, sodass man kaum vorwärts kommt.


3.) Und als letztes muss der Teufel auf der Schulter sich in Bewegung setzen. Er hat dir ständig eingeflüstert, dass niemand den Rotz lesen wird, man doch eh nie fertig wird und es sich niemals verkaufen würde? Tja, das Buch ist jetzt aber fertig. Und du findest es toll. Also soll er sich gefälligst darum kümmern, das Buch auf den Markt zu bringen, passend zu bepreisen und zu bewerben. Nun ist also die Zeit gekommen, das Buch zu veröffentlichen und darauf aufmerksam zu machen. Solche Gedanken sollten dich aber während dem Schreiben noch nicht quälen. Warum sollst du dir Sorgen darüber machen, ob sich jemand auf Instagram für deinen Veröffentlichungspost interessiert, wenn du das Buch noch gar nicht fertig hast?

Natürlich hat jeder seine eigene Technik, um ein Buch zu schreiben. Für mich hat sich diese Methode bisher ganz gut bewährt und ich bin eher ein Fan davon, einen Fuß vor den anderen zu setzen als ständig Multitasking zu betreiben. Das ist entspannter, angenehmer und man kann das Hobby "in Echtzeit" genießen.






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